Wer ist hier esoterisch?

Ich führe ein ganz normales Großstadtleben. Meine Hobbies sind Romane schreiben und Golf spielen.
Doch da gibt es noch mehr, was mich interessiert.
Seit vielen Jahren mache ich Feldenkrais, eine achtsame Methode der Körperarbeit.
Ich praktiziere Energieübungen. Jeden Morgen anstatt zu frühstücken. Ich beklopfe meine Meridiane (Klopfakupressur, EFT), um alltägliche oder alte Belastungen aufzulösen. Ich habe schon mehrere Familienaufstellungen gemacht, EMDR, The Work, Somatic Experiencing. Es wurde sogar schon für mich gechannelt. Selbstredend meditiere ich – nur Yoga ist nicht meins.
Ich kenne mich in der Selbstheilungs-, Achtsamkeits- und Coaching-Szene gut aus, habe von den bekanntesten Lehrern, Coaches oder Gurus schon etwas gelesen oder gehört.

Macht mich das zu einer Esoterik-Anhängerin? Das klingt irgendwie unschön.
Der Duden nennt Esoterik eine „weltanschauliche Bewegung, Strömung, die durch Heranziehung okkultistischer, anthroposophischer, metaphysischer u. a. Lehren und Praktiken auf die Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung des Menschen abzielt“.
Was mir daran gefällt, ist „Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung des Menschen“. Damit kann ich mich identifizieren.
Der Rest klingt abgehoben, weltfremd oder -feindlich.
Der Begriff „esoterisch“ wird mit Begriffen definiert, die auch erst definiert werden müssen. Das ist lästig. Abgesehen davon, dass er sowieso meistens negativ oder abfällig benutzt wird.
Kein Wunder, dass ich nicht in die Schublade „esoterisch“ gepackt werden will.
Denn mein Leben und meine Texte sind alles andere als weltfremd. Im Gegenteil, ich will näher an die Welt heran. Mit all meinen Sinnen und Erfahrungen.
Das Wort „weltnah“ gibt es im Duden aber nicht.

Wenn ich also nicht esoterisch bin, mich aber auch nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaft beschränken will, was bin ich denn dann?
Würde ich mich spirituell nennen? Ja, denn meine Erfahrungen sagen mir, dass nicht nur Menschen und Tiere mit einem Geist ausgestattet sind, sondern auch manche Orte, Handlungen und menschliche Verbindungen.
Seit etwa 100 Jahren gibt es eine Wissenschaft, die sich mit diesen Phänomenen beschäftigt. Die Quantenphysik. Ich habe populärwissenschaftliche Bücher dazu gelesen, aber ich verstehe es nicht. Die Zusammenhänge von kleinsten Partikeln und deren Eigenschaften sind so abstrakt und unterscheiden sich komplett von allem, was ich gelernt habe. Das kriege ich nicht zusammen.
Ich verstehe nur: Alles besteht aus Energie. Auch die Materie.

Das wirft interessante Fragen über jegliches Bewusstsein auf. Ist es Energie? Steuert es die Materie – also unseren Körper, unsere Umwelt, die ganze Welt?
Wer kann diese Fragen beantworten? Mit den Energien beschäftigen sich die Physiker. Über den Körper reden die Ärzte. Die Umwelt gehört zur Biologie oder Geografie.
Das Mystische reklamieren die Geistlichen, egal welcher Konfession, für sich.
Die Fragen des Geistes behandelt seit Jahrtausenden die Philosophie.
Mich interessiert von alledem etwas. Und es gibt auch einen Begriff dafür: Holismus. Laut Duden die „Lehre, die alle Erscheinungen des Lebens aus einem ganzheitlichen Prinzip ableitet.“
Das ist es, wofür ich mich interessiere. Die Systeme als Ganzes zu betrachten. Die Verbindungen zu verstehen.
Schade, dass der Duden kein Wort für so universell Interessierte wie mich anbietet. Aber vielleicht kommt das noch.

Wie siehst du das? Schreib es in die Kommentare.

Zurück

Deine Anmerkung zu diesem Beitrag?

Hinweis:  Nimm dir aus diesem Blog mit, was du gebrauchen kannst. Gib hinein, was dir wichtig ist, aber achte bitte darauf, dass Respekt, Sicherheit und Freundlichkeit alles zusammenhalten.

 

Datenschutzhinweis:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Selbstverständlich werden deine Daten nicht für Werbezwecke genutzt oder an Dritte weiter gegeben. Für weitere Informationen zum Datenschutz klicke bitte hier.