Was ist eine Familienaufstellung?

Viele Menschen haben das Gefühl, dass ihr Leben nicht nur durch eigene Gefühle, sondern auch durch die Gefühle unserer Vorfahren bestimmt wird.

Sei es durch die harte Großmutter, den von Schuld zerfressenen Onkel oder die Grausamkeit des Großvaters. Wir kennen die Verwandten so, aber wir wissen nicht, wie uns das beeinflusst. Diese Einflüsse können in Familienaufstellungen ans Licht kommen.

Dazu wird das System Familie aufgestellt: Fremde stellen die Familienmitglieder dar. Zuerst sucht die Klientin eine Stellvertreterin für sich selbst aus und stellt sie an die stimmige Position auf das "Feld" – vorzugsweise in einen großen Raum. 

Die Aufstellerinnen kennen vorher schon den Stammbaum der Klientin und wählen aus, wer für das Problem wichtig ist: Eltern, Geschwister, Partner – sie werden nacheinander auf das Feld gestellt. Die Klienten agieren dabei wie Regisseure, die ihre Familien im Raum platzieren wie auf einer Theaterbühne.

Die Fremden auf dem Feld bekommen durch ihre Position zueinander ein Gefühl für die zugrundeliegenden Beziehungen innerhalb der Familie. Sind sie zu nah beieinander? Voneinander abgewandt? Steht jemand außerhalb einer Gruppe? Das ist nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für Zuschauer klar erkennbar. Von der Klientin ausgehend über die Eltern, Großeltern können auch die Urahnen aufgestellt werden. Ob die Personen längst verstorben oder heillos zerstritten sind, ist nicht von Bedeutung, eben weil die Familie aus Stellvertretern gebildet wird, nicht aus den Betroffenen selbst. So verlieren auch aktuelle Konflikte an Bedeutung. Der Zwist mit dem Ex-Mann ist kein Thema, wohl aber das tiefe, zugrundeliegende Gefühl zwischen den früheren Eheleuten. 

Die Aufsteller befragen die Stellvertreter und ziehen Rückschlüsse auf verborgene Dynamiken, wie Anziehung oder Ablehnung, die das Leben der Klienten beeinflussen können. Vom Aufsteller angeleitet formulieren die Stellvertreter symbolische Versöhnungen zwischen den Familienmitgliedern, wo das möglich ist. So verändern sich die Gefühle der Stellvertreter, deren Positionen im Raum und damit das gesamte Familienpanorama.

Die Klientin, die die ganze Zeit nur zusieht, erfährt neue Zusammenhänge und bestenfalls neue Gefühle. Sie kann das Bild auf sich wirken lassen oder es ablehnen. Im Idealfall erschließen sich ihr neue Sicht- und Handlungsweisen. 

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